So holst du das Maximum aus deinem Training heraus
Wenn der Wettkampf näher rückt, verändert sich dein Training: Weniger Kilometer, mehr Fokus auf Regeneration. Das ist das Prinzip des Taperings. Richtig umgesetzt sorgt es dafür, dass du erholt und leistungsfähig an den Start gehst.
Wer sich auf einen Halbmarathon oder Marathon vorbereitet, legt oft den Fokus auf lange Läufe, Tempotraining und Intervalle. Doch gerade in den letzten Wochen vor dem Rennen ist weniger mehr. Tapering reduziert bewusst das Trainingsvolumen, damit du frisch, erholt und leistungsbereit am Start stehst.
Was ist Tapering?
Tapering bedeutet, das Trainingsvolumen in den letzten 2–3 Wochen vor dem Wettkampf systematisch zu reduzieren, meist um 30–50 % , während Intensität und Qualität der Einheiten weitgehend erhalten bleiben.
Ziel:
- Energie speichern
- Muskeln und Sehnen vollständig regenerieren
- Leistungsfähigkeit maximieren
- Mentale Frische sicherstellen
Die genaue Umsetzung hängt von deinem Level, deiner Erfahrung und deinem Körperbewusstsein ab: Wer seinen Körper gut kennt, kann das Volumen optimal anpassen, ohne dass Fitness verloren geht.
Warum Tapering so wichtig ist
Viele Läufer:innen unterschätzen diese Phase und versuchen, in den letzten Wochen noch einmal „alles zu geben“. Das führt oft zu:
- Müdigkeit oder Erschöpfung am Wettkampftag
- Verzögerter Regeneration nach intensiven Einheiten
- Sinkender Motivation und mentaler Anspannung
- Höherem Verletzungsrisiko
Ein gut geplantes Tapering hingegen:
- Schont Muskeln, Sehnen und Gelenke
- Erholt Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel
- Speichert Nährstoffe und Energie effizient
- Steigert mentale Stärke und Motivation
Kurz gesagt: Alle Fortschritte, die du monatelang aufgebaut hast, können voll ausgeschöpft werden.
Tapering Plan nach Level und Distanz
Halbmarathon
- 2 Wochen vorher: Reduziere wöchentliches Volumen um ca. 20–30 %
- Letzte Woche: 50 % weniger Kilometer, Fokus auf kurze, lockere Läufe und 1–2 Einheiten in Wettkampftempo
Marathon
- 3 Wochen vorher: Volumen um 20–25 % reduzieren, längster Lauf 2–3 Wochen vor dem Start
- 2 Wochen vorher: Reduktion um 30–45 %, lange Läufe etwas kürzer, noch einzelne Tempoeinheiten
- Letzte Woche: Reduziere den Umfang um ca. 70 %, um die Beine locker zu halten. Integriere in die Einheiten kurze Reize im Wettkampftempo für die nötige Spritzigkeit. Der Fokus liegt nun voll auf Schlaf, Ernährung und mentaler Vorbereitung
Merke: Dauer und Intensität des Taperings hängen von deinem Level, Körperbewusstsein und Erfahrung ab. Anfänger:innen brauchen oft mehr Reduktion und längere Erholungsphasen, erfahrene Läufer:innen können kürzer und präziser tapern.
Tipps für ein erfolgreiches Tapering
1. Intensität beibehalten:
Kurze Tempoeinheiten erhalten Wettkampfschnelligkeit, ohne den Körper zu überlasten.
2. Carb-Loading & Ernährung
In den letzten Tagen vor dem Wettkampf spielt nicht nur Tapering eine entscheidende Rolle, auch die richtige Ernährung mach den Unterschied. Hier kommt Carb-Loading ins Spiel. Durch gezielte Kohlenhydrataufnahme füllst du deine Glykogenspeicher auf, sodass du am Wettkampftag maximale Energie hast.
💡 Tipp: Plane deine Mahlzeiten bewusst, achte auf leicht verdauliche Kohlenhydrate und kombiniere sie mit ausreichend Flüssigkeit.
👉🏻 Mehr erfahren: Was ist Carb-Loading und wie setzt du es richtig um?
3. Regeneration aktiv gestalten
Auch wenn das Trainingsvolumen reduziert wird, solltest du die Muskulatur nicht einfach „liegen lassen“. Leichte Mobility Einheiten, Spaziergänge, Yoga oder der Einsatz von Recovery Boots helfen, die Beine locker zu halten und die Durchblutung zu fördern. So bleibt der Körper beweglich, die Muskeln regenerieren optimal, und du fühlst dich frisch für die letzten Einheiten vor dem Wettkampf.
4. Mentale Vorbereitung
Die letzten Wochen vor dem Rennen sind auch entscheidend für deinen Kopf. Visualisiere deinen Start, dein geplantes Tempo und das Ziel, um mental vorbereitet zu sein. Setze dir realistische Ziele und entwickle kleine Rituale, die dich beruhigen und fokussieren. n.
5. Keine Experimente:
Tapering ist nicht die Zeit, um neue Schuhe, Ernährung, Sportarten oder Trainingstechniken auszuprobieren. Bewährtes beibehalten. Plane deine Ausrüstung, Wettkampfschuh, Kleidung, Verpflegung alles sollte bereitliegen, damit am Wettkampftag keine Unsicherheiten entstehen.
Mein Erfahrungsbericht
Bei meinen ersten beiden Halbmarathons habe ich das Tapering noch nicht optimal umgesetzt. Ich habe nicht bewusst auf Regeneration und die letzten Trainingswochen geachtet. Das Ergebnis, ich fühlte mich teilweise erschöpft und konnte das volle Potenzial meines Trainings nicht abrufen.
Aus diesen Fehlern habe ich gelernt. Beim nächsten Halbmarathon und vor meinem ersten Marathon habe ich die letzten Wochen bewusst strukturiert gestaltet, auf meinen Körper gehört und Tapering sowie gezieltes Carb-Loading umgesetzt.
Das Ergebnis beim laufen war spürbar:
- Mental war ich frisch, fokussiert und motiviert
- Am Wettkampftag hatte ich Energie bis zur Ziellinie
Dank dieser Erfahrung konnte ich all die Monate harter Vorbereitung voll ausschöpfen und den Marathon wirklich genießen. Ein klarer Beweis, wie wichtig das richtige Tapering ist.
Fazit
Tapering ist kein „Faulenz-Modus“, sondern ein strategischer Teil deiner Halb- oder Marathonvorbereitung. Wer die letzten Wochen vor dem Rennen intelligent nutzt, wird belohnt: schneller, fitter und motivierter am Start.
🎧 Podcast-Tipp:
Zu diesem Thema gibt es auch eine ausführliche Folge im Podcast „Bleib in Bewegung“ . Jetzt reinhören 👉🏻 Tapering: Warum weniger Training vor dem Wettkampf stärker macht.
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Wer sich auf einen Halbmarathon oder Marathon vorbereitet, legt oft den Fokus auf lange Läufe, Tempotraining und Intervalle. Doch gerade in den letzten Wochen vor dem Rennen ist weniger mehr. Tapering reduziert bewusst das Trainingsvolumen, damit du frisch, erholt und leistungsbereit am Start stehst.
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